Wenn der Headhunter anruft

Es beginnt meist mit einem Anruf: “Können Sie gerade frei sprechen?” Klarer Fall: Am anderen Ende der Leitung spricht ein Headhunter. So ein Anruf am Arbeitsplatz des potenziellen Kandidaten ist rechtlich erlaubt, so ein Urteil des Bundesgerichtshofs (Az.: I ZR 221/01). Aber eben nur zur ersten Kontaktaufnahme. Heißt: Der Headhunter darf das Interesse des Kandidaten an einer neuen Stelle erfragen und die vakante Position kurz beschreiben. Was danach folgt, muss außerhalb des (aktuellen) Arbeitsplatzes und der Arbeitszeit stattfinden. Doch genau hierbei patzen einige Jobwechsler – und spielen den viel umworbenen Star mit übervollem Kalender. Ein fataler Fehler!

Sich rar machen – das funktioniert vielleicht bei frisch Verliebten und Pick-up-Artisten. Bei Personalberatern bewirkt diese durchsichtige Psychostrategie eher das genaue Gegenteil und minimiert die Vermittlungschancen. Der Denkfehler: Der Angerufene meint, er könne seinen Marktwert und seine Reputation dadurch steigern, indem er den Unnahbaren spielt: “Ein Termin in den nächsten Wochen? Unmöglich! Viele Termine… Vorstandssitzung… Sie kennen das ja?! Also, das geht wohl erst wieder in drei, vier Wochen…”  Riesenfehler! Denn Headhunter lesen aus einer solchen Reaktion in der Regel dreierlei:

  • Der Kandidat hat gar kein so großes Interesse an einem Jobwechsel oder an der Stelle.
  • Der Kandidat ist nicht gut organisiert – oder in hohem Maße fremdbestimmt. Also doch gar nicht so wichtig.
  • Der Kandidat ist ein eitler Wichtigtuer, der auch noch meint, andere mit derlei Kindergartenrhetorik manipulieren zu können.

Kurzum: Ein solches Manöver ist sofort durchschaubar und geht dann auch meist noch nach hinten los. Wer wirklich wichtig und einflussreich ist, gut organisiert und an einem Jobwechsel interessiert, kann und sollte es schaffen, innerhalb von zwei Wochen (inklusive Wochenenden) einen Termin für ein persönliches Treffen und Gespräch außerhalb seiner Arbeitszeit zu finden.

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